Therapie

1. Selbstbehandlung mit rezeptfreien Mitteln.

Antiemetika wie Metoclopramid und Domperidon verbessern nicht nur die Begleitbeschwerden, wie z. B. Übelkeit, sondern steigern auch die Magen-Darm-Peristaltik.

Die Wirkung der Analgetika besteht in dem antientzündlichen Effekt.

Folgende Medikamente werden von der Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft als Mittel der ersten Wahl empfohlen:

  • Acetylsalicylsäure 900-1000 mg,
  • Ibuprofen 200 mg, 400 mg und 600 mg
  • Phenazon 1000 mg
  • Naproxen 500 mg, 825 mg,
  • Diclofenac-Kalium 50 mg, 100 mg
  • Kombinationspräparate mit Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Coffein.

 

Mittel der zweiten Wahl sind:

  • Metamizol 1000 mg
  • Paracetamol 1000 mg
  • Diclofenac-Natrium 50 mg, 100 mg

 

Alle Substanzen sind wirksam, wobei 50-60 % der Patienten eine Besserung innerhalb von 2 Stunden angeben. Für die Kombination konnte eine leichte Überlegenheit in der Wirksamkeit im Vergleich zu den Einzelpräparaten belegt werden.

Leider kann die häufige Einnahme von Kopfschmerzmitteln selbst Kopfschmerzen auslösen.
Generell kann man sagen, dass nicht die verwendete Dosis, sondern die Häufigkeit der Einnahme für die Entstehung des Kopfschmerzes durch Medikamentenübergebrauch (früher medikamenteninduzierter Kopfschmerz) verantwortlich ist. Um diesen Kopfschmerz zu vermeiden, dürfen Kopfschmerzmitteln nicht häufiger als 10 Tage pro Monat und nicht länger als 3 Tage hintereinander angewendet werden. Anders gesagt, mindestens 20 Tage pro Monat dürfen keine Kopfschmerztabletten eingenommen werden.

 
 
2. Therapie mit Triptanen

Mit der Einführung von Sumatriptan begann eine neue Ära der Migränetherapie- und Forschung.
Medikamentöse Mittel der ersten Wahl bei mittelschweren bis schweren Attacken sind die Triptane. Die Triptane wirken nur bei Migräne und Cluster-Kopfschmerz. Insgesamt wird das Sicherheitsprofil der Triptane als sehr günstig angesehen, ernste Nebenwirkungen treten seltener als 1:1.000.000 auf. Die sieben in Deutschland erhältlichen Triptane unterscheiden sich hinsichtlich Wirkstärke, Verträglichkeit, Wirkgeschwindigkeit und Wirkdauer. Zudem gibt es auch unterschiedliche Darreichungsformen.
In den Zulassungsstudien findet sich eine Wirksamkeit der Triptane in 55-75 % der Patienten. Generell kann man sagen, dass Triptane mit schnellerem Wirkungsbeginn etwas mehr Nebenwirkungen haben, weiterhin kommt ebenfalls häufiger ein Wiederauftreten der Migräne vor.

In der Praxis können die Triptane in drei Gruppen eingeteilt werden:

a. Sehr schnelle und sehr starke Wirkung, dafür aber häufigere
Nebenwirkung und kurze Wirkdauer:

  • Imigran Inject Injektionslösung

 

b. Ausgeglichenes Wirkprofil zwischen Wirkung und Verträglichkeit ,
Wirkgeschwindigkeit und Wirkdauer:

  • Almogran 12,5 mg Tbl. (Dolotripten)
  • AscoTop 5 mg Tbl./5 mg Nasenspray
  • Imigran 100 mg Tbl./20 mg Nasenspray
  • Maxalt 10 mg Tbl./10 mg Schmelztablette
  • Relpax 40 mg Tbl.


Die niedrigerer Dosis von AscoTop 2,5 mg Tbl./Schmelztablette,
Imigran 50 mg Tbl./10 mg Nasenspray, Maxalt 5 mg Tbl./Schmelztablette und Relpax 20 mg Tbl. sind etwas schwächer wirksam, haben aber auch weniger Nebenwirkungen als die
höhere Dosis.

c.
Anhaltende Wirkung mit sehr guter Verträglichkeit, langsamer Wirkeintritt, geringe
Wiederkehrkopfschmerzrate:

  • Allegro 2,5 mg Tbl.
  • Formigran (rezeptfrei)
  • Naramig 2,5 mg Tbl.
 
 
10 Hauptregeln für Triptaneinnahme:

1. So früh wie möglich einsetzen
2. Richtige Dosis verwenden
3. Optimale Darreichungsform wählen
4. Bei Wiederholungskopfschmerz erneut einnehmen
5. Nicht während der Aura einnehmen
6. Nicht häufiger als 10 Tage pro Monat (inklusive alle andere Kopfschmerzmittel) einnehmen
7. Nicht zusammen mit Ergotaminen einnehmen
8. Während eines Anfalles Triptane nicht mischen
9. Triptanrotation bei ungenügender Wirkung/Unverträglichkeit möglich
10. Kombination mit Schmerzmitteln möglich

 
 
Vorbeugung

Bei mehr als sieben Migränetagen im Monat ist eine medikamentöse Prophylaxe meistens indiziert um einen Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch zu verhindern. Weitere Indikationen für eine Prophylaxe sind Migräneattacken, die auf eine medikamentöse Therapie nicht ansprechen, die vom Patienten als unerträglich empfunden werden und komplizierten Attacken mit neurologischen Ausfällen.
Als wirksam gilt eine Prophylaxe, wenn die Migränehäufigkeit dadurch um 50 % reduziert wurde. Eine erfolgreiche Prophylaxe sollte über einen Zeitraum von sechs bis neun Monaten durchgeführt werden, dann kann das Medikament meistens langsam abgesetzt werden.

 
 
Die Empfehlung der DGN zur Vorbeugung sind folgende:

Mittel der 1. Wahl sind:

  • Metoprolol 50-200 mg
  • Propranolol 40-240 mg
  • Bisoprolol 5-10 mg
  • Flunarizin 5-10 mg
  • Valproinsäure 500-600 mg
  • Topiramat 25-100 mg
  • OnabotulinumtoxinA 155 Einheiten bei chronischer Migräne

 

Mittel der 2. Wahl sind:

  • Amitriptylin 50-150 mg
  • Gabapentin bis 2.400 mg
  • Venlafaxin 75 -150 mg
  • Naproxen 500 - 1.000 mg
  • Acetylsalicylsäure 300 mg
  • Magnesium 600 mg
  • Vitamin B2 400 mg plus Magnesium 600 mg

 

 
Nichtmedikamentöse Verfahren

Es liegen zahlreiche Studien zur Wirksamkeit der Verhaltenstherapie bei chronischen Kopfschmerzen vor. Unter alleiniger Anwendung von Entspannungsverfahren oder Biofeedback werden bei Migräne Besserungsraten in der Größenordnung von 40 % mitgeteilt, unter Kombination der beiden Verfahren nähern sich die Ergebnisse der 50 % Marke. Analoges gilt für die kognitive Verhaltenstherapie.

Wird neben einer medikamentösen Prophylaxe zusätzlich Biofeedback durchgeführt, steigt die therapeutische Wirksamkeit auf bis zu 70 % Besserungsrate für Migräne.

Ein regelmäßiges (mindestens dreimal Woche, mindestens 30 Minuten) Ausdauertraining, wie z. B. Fahrradfahren, Schwimmen, Joggen kann ebenfalls die Kopfschmerzhäufigkeit reduzieren.