Geschichte und Mythen

Bereits zu Zeiten der Sumerer klagten Menschen über einseitigen Kopfschmerz.

Diese Erkenntnisse wurden auf Papyrusrollen gefunden. Den unter Kopfschmerzen leidenden Patienten wurde der Schädel aufgebohrt, damit die „ schlechten Gase“ abziehen können.

Geschichte

Zu Zeiten der Pharaonen wurde den Patienten ein lebendiger Zitterrochen auf den Kopf gelegt, dabei wurde Linderung durch die Stromschläge erhofft.

Um ca. 400 v. Christus war der griechische Arzt Hippokrates der Meinung, aus der Leber würden giftige Dämpfe zum Kopf aufsteigen. Als Therapie nannte er die Anwendung von Blutegeln sowie im Extremfall die Öffnung des Kopfes.

Der römische Arzt Galen beschreibt einen einseitigen Kopfschmerz und nennt es Hemikranie. Zu Zeiten des frühchristlichen Roms bis spätes Mittelalter wurde der Aderlass häufig verwendet. Bei dieser Therapie wurde dem Patient an mehreren Stellen des Körpers Blut abgelassen. Bei den Inkas erfolgte die Therapie mit der Coca-Pflanze, dabei wurde die Haut aufgeritzt, damit der Saft eingeträufelt werden konnte.

Im 13. Jahrhundert kamen mit Opium und Essig getränkte Tücher auf den Kopf zum Einsatz. Im späten Mittelalter bis in die Neuzeit wurden Kräuteressenzen und Blutegel an der Schläfe eingesetzt. Aus Mutterkorn gewonnene Ergotaminextrakte wurden seit dem 19. Jahrhundert angewandt. 1920 erfolgte die Isolierung des Ergotamintartrates im Labor.

Bis vor wenigen Jahrzehnten galt die Migräne als rein psychosomatische Erkrankung.
Die Mutterkornalkaloide waren bis 1993 die einzigen Arzneimittel zur Behandlung schwerer Migräneattacken. Der 1993 eingeführte Wirkstoff Sumatriptan war der erste Vertreter der Triptane, die sich mittlerweile als die wirksamste Wirkungsgruppe gegen Migräne erwiesen haben.

Auch Prominente sind betroffen

Folgende Persönlichkeiten sollen von Migräne betroffen gewesen sein: Julius Caesar, Hildegard von Bingen, Napoleon Bonaparte, Wilhelm Busch, Alfred Nobel, Friedrich Nietzsche, Marie Curie, weiterhin die Maler Vincent van Gogh und Claude Monet, und der Schriftsteller Lewis Caroll.

 

Behandlungskosten – der gesamtgesellschaftliche Aspekt


Die Kosten der Migränebehandlung sind enorm. Migräne verursacht europaweit nach Demenzerkrankungen die höchsten Kosten unter neurologischen Erkrankungen. Die jährlichen direkten Kosten wurden 2002 auf 478 Millionen Euro beziffert. Die Migräne ist aber auch ein arbeitsmedizinisches Problem ersten Ranges. Die jährlichen indirekten Kosten betragen 6,2 Milliarden Euro, davon 3,6 Milliarden Euro als Kosten für die Abwesenheitstage (4 Tage/Jahr) und für die Tage mit Leistungseinschränkung (2,9 Tage) 2,6 Milliarden Euro.

Mythen

 

1. Die Migräne ist ein ausschließlich einseitig auftretender Kopfschmerz, pulsierend und tritt nur an der Schläfe auf. Fakt ist: 41 % der Migränepatienten leiden an beidseitigen Kopfschmerzen. 50 % der Zeit ist der Schmerz nicht pulsierend.

Die Migräne kann in vielen Lokalisationen auftreten: auf der Stirn, im Nacken, im Gesicht und um die Augen herum.

 


2. Während der Migräne gibt es keine Nackenschmerzen.
Fakt ist: 75 % der Patienten haben während der Attacke Nackenschmerzen. 57 % der Patienten empfinden einen einseitigen Schmerz, 43 % beidseitigen Schmerz. Der Schmerz wird bei 69 % als Spannungsgefühl, bei 17 % als Steifigkeit, bei 9 % als pulsierend und bei 5 % als sonstiges Gefühl beschrieben.